Preisgekrönte Waldweiden-Bewirtschaftung

Die vielfältige Kulturlandschaft in und um die Waldenburger Berge

Familie Schmetzer-Bucka engagiert sich bereits seit 2007 in den fünf umliegenden Naturschutzgebieten in bzw. am Fuße der Waldenburger Berge. Diese umfassen mehrere Waldweiden bzw. ehemalige Streuwiesen (Obere Weide, Michelbacher Viehweide und Entlesboden), den Rößlesmahdsee sowie das Kupfermoor. Darüber hinaus bewirtschaftet die Familie artenreiche Wiesen, etabliert neue Hecken und bewirtschaftet und erhält rund 400 Streuobstbäume. Die vielfältige Kulturlandschaft in und um die Waldenburger Berge lebt. Und das Beste daran: zwei der vier Töchter möchten den landwirtschaftlichen Betrieb in all seinen Facetten weiterführen und sogar ausweiten.

2025 – Gleich doppelt Grund zu Feiern

Das breite Engagement der Familie wird 2025 sowohl mit dem „Deuschen Landschaftspflegepreis“ des DVL sowie mit dem „Kulturlandschaftspreis“ des Schwäbischen Heimatbunds ausgezeichnet.

Das Engagement der ganzen Familie

1986 übernahm Karin Schmetzer-Bucka den im Nebenerwerb geführten elterlichen Betrieb. Gemäß ihrem Wunsch konnte sie ihn mit ihrer Familie wieder in den ökologischen Haupterwerb, mit dem gesamtbetrieblichen Fokus auf vielfältige Maßnahmen zum Schutz der Kulturlandschaft und der vorkommenden Arten, überführen. Neben der landwirtschaftlichen Tätigkeit in den Waldenburger Bergen, nimmt sich die Familie aus eigener Initiative zu Beginn zweier, später aller fünf, umliegenden Naturschutzgebiete an. Seit 2007 weiden Rinder der Familie u.a. im Naturschutzgebiet Obere Weide zunächst versuchsweise; nun sind 20 der rund 70 Rinder im Sommer zwischen den einzelnen, ausladenden Eichen und Birken auf der hallenartigen, offenen Waldweide fest etabliert. Den Waldweidecharakter versucht die Familie großräumig wieder herzustellen und dabei Borstgrasrasen und Pfeifengraswiesen mit Arnika (Arnica montana) zu erhalten bzw. zurückzuholen.

So vielseitig wie die Bewirtschaftung der unterschiedlichen Lebensräume sind auch die Familienmitglieder und ihr Engagement. Wenn nicht alle in der Familie in Spitzenzeiten mit anpacken – vom technikaffinen Familienvater und der obstbaumschneidenden Tochter und Mutter – wären die Mahd der herausfordernden Flächen, das Versorgen der Tiere und somit der Beitrag zum Erhalt des Landschaftsbildes und der seltenen Arten nicht zu leisten.

Familie Schmetzer-Bucka: Anne, Karin, Michel, Sarah (v.l.n.r), (c) Schmetzer-Bucka

Ein Langer Weg zum wieder hergestellten Landschaftsbild

Um den Waldweidecharackter wieder  zurück zu holen bedarf es, neben der Beweidung, zuerst die Ermöglichung derselben: Die aus der Nutzung gefallenen Waldweiden waren zu Beginn starker Sukzession unterworfen; ein Teil der Oberen Weide war sogar mit Fichten aufgeforstet. Nachdem der Forst das Nutzholz entfernt hatte, bildete anfangs die Durchforstung bzw. Freistellung eine zentrale Aufgabe. Dies änderte sich jedoch mit der Zeit. Durchforstung bleibt eine Daueraufgabe im Winter – doch die Familie beobachtet bei ihrem liebevollen Engagement genau. Aktuell zieht phasenweise Trockenheit in langen Regenpausen im Sommer ein. Dies rückt plötzlich neben der andauernden winterlichen Durchforstung auch die Naturverjüngung der Birken und Eichen und somit weitere Arbeitsschritte (Markierung, Wuchshüllen, Auszäunen) in den Fokus, um die Waldweide auch in Zukunft zu sichern. Arnika ist neben den zahlreichen Orchideen, v.a. das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), eine weitere Besonderheit der Waldweiden. Zur Unterstützung des teils rückläufigen Bestands von Arnika unternimmt die Familie in enger Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart weitere Anstrengungen: durch Ansaatversuche und nicht zuletzt 2024, durch Ausbringen vorgezogener Pflanzen. Das Knabenkraut findet sich nun auch wieder um den Rößlesmahdsee, wo die Familie mäht und abräumt. Die Aushagerung hat die Orchideen großflächig wieder zurückgebracht.

Auch die landwirtschaftliche Nutzfläche außerhalb der Waldweide profitiert deutlich vom Engagement der Familie. Auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche außerhalb der Naturschutzgebiete bedenkt, unterstützt und etabliert die Familie wichtige kulturlandschaftliche Elemente bei ihren Tätigkeiten: Altgrasstreifen auf den Wiesen und im Klee-Grasanbau, Totholzelemente in und um die Streuobstwiesen, Neuanlage und Pflege von insgesamt mehr als 1000 Meter Hecken sowie die ökologische Aufwertung von Grünland mithilfe von Aushagerung und Ansaat bilden ganz selbstverständliche Anteile in der alltäglichen Arbeit. Hecken wurden gepflanzt, der Streuobstbestand erhalten und erneuert und Grünland durch die angepasste Bewirtschaftung ökologisch erhalten und teils aufgewertet. Es wurden mehrere Hektar FFH-Mähwiese und extensives Grünland geschaffen. Dabei vergisst die Familie auch hier nicht die Vereinbarkeit mit der wirtschaftlichen Nutzung: Die Hecken beherbergen Schlehen, Haseln und Holunder, deren Produkte vermarktet werden sollen.

Michelbacher Viehweide (c) Schmetzer-Bucka

Die Welt zu Gast im Goldbachtal – ein Blick in die Zukunft

Bisher waren zeitweise Schulen, Teilnehmende am Freiwilligen Ökologischen Jahr sowie ein Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes auf dem Hof mit eingebunden. Dies ruht seit der Umstrukturierung der Schule sowie dem Brand der Hofstelle 2021. Außerdem lag der Fokus auf der Ausbildung der vier Töchter, was dem Betrieb Arbeitskraft entzog.

Zukünftig haben zwei der vier Schwestern bereits viele Pläne. Die 28-jährige Sarah ist gerade in den letzten Zügen ihres Studiums und möchte den Betrieb im Haupterwerb weiterführen, ihre ältere Schwester Anne möchte im Nebenerwerb neu mit Gemüseanbau einsteigen. Sarah plant die Rückkehr zum geschlossenen Milchviehbetrieb, d.h. sie plant wieder in die Milcherzeugung mit Fleckvieh einzugsteigen und die nötige Nachzucht, wie zuvor ihre Eltern, auf dem Hof in die eigenen Hände zu nehmen. Einen stärkeren Bezug, d.h. länger als zwei Jahre, zu den Tieren haben und weil „melken schon auch Spaß macht!“ –  das motiviert sie. Auch die Streuobstvermarktung möchte sie weiter ausbauen: Obstmus, Säfte, Marmeladen, Mark und Trockenfrüchte.
Mit Helferfesten und der Fortführung des Angebots von Praktika und FÖJ möchte Sarah den regionalen Bezug stärken, aber auch die Welt zu sich nach Hause holen – internationale Freiwilligenarbeit soll in Zukunft in Goldbach möglich sein.

Streuobstbäume schneiden (c) Schmetzer-Bucka
Knabenkraut
Schlangeknöterich im Entlesboden