Biologie, Verbreitung und der richtige Schnitt von Misteln zum Erhalt unserer Streuobstwiesen
Der zunehmende Mistelbefall auf vielen Streuobstbäumen im Hohenlohekreis stellt ein immer größer werdendes Problem dar. Im Herbst und Winter, erkennt man die gelblich-grünen männlichen und dunkelgrünen weiblichen Mistelbüsche mit den weißen Beeren wieder gut in den Baumkronen. Vor allem Streuobstwiesen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, sind vielerorts von einem rasanten Mistelbefall betroffen. Die Misteln schwächen ihren Wirtsbaum und entziehen ihm Wasser und Nährstoffe über ihre tief ins Holz getriebenen Wurzeln. Langfristig haben Bäume mit starkem Mistelbefall keine Überlebenschance.
Aber nicht nur Apfel- oder Birnbäume auf Streuobstwiesen sind betroffen, auch auf Weiden und Pappeln tritt, häufig entlang von Fluss- und Bachläufenein, ein starker Mistelbefall auf. Vögel, die im Winter die Mistelbeeren als Nahrung nutzen, tragen über ihren Kot und durch herabfallende Beeren zur Ausbreitung der Mistel bei. In Regionen mit hohem Misteldruck sind zum Teil bereits Jungbäume befallen. Ganze Streuobstwiesen-Gebiete sind zunehmend in ihrem Erhalt bedroht, der Misteldruck greift auch auf angrenzende Gebiete über.
Misteln stehen nicht unter Naturschutz, sondern müssen zum Schutz der Bäume entfernt werden.
Die einzige Möglichkeit, die Streuobstwiesen langfristig zu erhalten, ist ein fachgerechtes Ausschneiden der Mistelbüsche bis ins gesunde Holz im Rahmen ein eines regelmäßig durchgeführteen Erhaltungsschnitt der Baumkronen. Als Weihnachtsschmuck über der Haustüre finden sie vielerorts noch eine dekorative Verwendung. Auch soll ein Kuss unterm Mistelzweig alten Sagen nach Verliebten die ewige Liebe und Glück bringen. Nur für den Verkauf von Mistelzweigen ist eine Genehmigung der Naturschutzbehörde notwendig, eine Abgabe (gegen Spende) ist jedoch erlaubt.
Bitte folgende Hinwise zur Mistelbekämpfung beachten:
Mistelbekämpfung bei Streuobstbäumen (Streuobstportal Baden-Württemberg)
Mistelbefall gefährdet Streuobstbäume (Landkreis Esslingen)
Baum- und artgerechter Mistelschnitt in Streuobstbeständen (Stadt Großbottwar)
Hinweise zum Schnittzeitpunkt von Misteln
Im Novemeber 2025 lud der Landschaftserhaltungsverband Hohenlohekreis e.V. zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein Kocher-Jagst e.V. und Kulturland Hohenlohe zu einem Fachvortrag zum Thema Misteln ein. Der Vortrag des Experten Jens Häußler aus Esslingen richtete sich an alle Interessierten mit und ohne Vorwissen, Obstbaumbesitzer, Streuobstwiesenbewirtschafter, Landwirte und kommunale Mitarbeiter des Bauhofes, die mit Baumpflegearbeiten betreut sind.
Im Spätherbst 2026 ist nochmal ein Fachvortrag im Hohenlohekreis geplant.
Der Obst- und Gartenbauverein Kocher-Jagst e.V. bietet neben Schnittkursen auch Aktionen rund um die Entfernung von Misteln. Alle Informationen zu dessen Angebot finden sich unter www.ogv-kocher-jagst.de.